Maskierte greifen Handballfans an – Zeitungsverlag Waiblingen

Die Schorndorfer Landtagsabgeordnete Petra Häffner, polizeipolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, reagiert entsetzt über die Nachrichten vom Wochenende: „Das ist absolut erschreckend.“ Gewalttätigkeiten während oder nach einem Spiel kennt man aus dem Fußball – der Handballsport war davon bisher nicht betroffen, jedenfalls nicht in einem Ausmaß, das für Aufsehen gesorgt hätte.

Plötzlich griff eine "maskierte Tätergruppe" an

Und nun das. Die Polizei schildert den Vorfall wie folgt: Gegen 21.50 Uhr am Samstagabend hatten die Fans der FSG (Frauenspielgemeinschaft) Waiblingen/Korb und der FSG Mainz 05/Budenheim die Sporthalle am Staufer-Schulzentrum in Waiblingen gemeinsam verlassen. Ganz plötzlich griff eine „maskierte Tätergruppe“ die Mainzer Fans an, als diese auf dem Weg zu ihrem Bus waren – wohlgemerkt einem Bus eines Mainzer Fußballvereins. Die Angreifer nahmen einem 27-Jährigen dessen Fan-Kleidung ab und verletzten ihn leicht. Drei weitere Mainzer Fans erlitten leichte Verletzungen. Ein 25-Jähriger musste zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden.

"Das waren völlig Fremde"

„So was gibt es beim Handball eigentlich nicht“, sagt eine Insiderin. Sie betont, dass es sich keinesfalls um eine Auseinandersetzung zwischen den Fans der beiden Mannschaften gehandelt hat: „Das waren völlig Fremde. Wir sind alle entsetzt.“

Anzeichen für rein interne Auseinandersetzung

Petra Häffner fragt sich nun, ob sich hier Gewaltbereite einen neuen Weg bahnen, ihren Aggressionen freien Lauf zu lassen? Selbstverständlich fürchtet man sich nun vor neuen Angriffen. Dem Vernehmen nach deutet aber nichts darauf hin. Vielmehr gibt es wohl Anzeichen, dass es sich um eine rein interne Auseinandersetzung, eine gezielte Attacke gehandelt haben könnte. Wie es heißt, ist einer der Verletzten kein unbeschriebenes Blatt.

Die Täter waren offenbar dunkel gekleidet und trugen teilweise rote Sturmhauben. Erste Ermittlungen haben ergeben, dass sie sich den Mainzer Fans aus zwei unterschiedlichen Richtungen genähert haben, berichtet die Polizei. Sie flüchteten vermutlich mit Fahrzeugen.

Verhalten erinnert an Fußballhooligans

Daniela Bilo, Pressesprecherin der FSG Mainz 05/Budenheim, ist überzeugt, dass die Vorfälle „nichts mit dem Handball zu tun hatten“. Das Spiel sei „sportlich fair“ abgelaufen. Klar benehmen sich auch im Handball Fans mal daneben; es könne mal zu Beleidigungen oder dergleichen kommen – aber nicht zu Gewalt.

Die Szenen nach dem Handballspiel in Waiblingen erinnern allerdings an das Verhalten von Fußballhooligans. Mit mehr als fragwürdigem Verhalten angeblicher Fans haben es die Mainzer Handballerinnen hin und wieder zu tun, berichtet Daniela Bilo – aber dann handelt es sich um eine Verwechslung, glaubt die Sprecherin. Ab und an werde der Profibus der Mainzer auf der Straße geschnitten – doch solche Anfeindungen gelten dem Fußball, davon geht Bilo aus, zumal die Handballerinnen ab und an im Fußballer-Bus unterwegs sind: „Das Verhalten von manchen Fußballfans kann ich nicht nachvollziehen“, drückt es die Sprecherin diplomatisch aus.

Augenzeugen berichteten

Der Waiblinger Fall klingt nicht so ganz nach Verwechslung. Daniela Bilo war nicht selbst dabei; sie nahm nach dem Spiel noch an einer Sitzung teil. Aus ihren Gesprächen mit Augenzeugen ergibt sich dieses Bild: Die Angreifer müssen sich wohl an einer dunklen Stelle nahe einem Gebüsch aufgehalten haben. Es ist von etwa zehn Personen die Rede. Als einer der Täter gar auf eine junge Frau losging, muss ihn wohl ein anderer gemaßregelt haben: Lass sie, das ist ein Mädchen. Eine Brille ging zu Bruch, und am schlimmsten traf es eben jenen 25-Jährigen, der nach der Attacke ins Krankenhaus musste. Daniela Bilo spricht von Prellungen und einer Gehirnerschütterung.

Gingen Täter davon aus, auf Fußballfans zu treffen?

Nadir Arif, der sportliche Leiter der FSG Waiblingen/Korb, ist erschüttert: „So was hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt. Das ist schrecklich.“ Er vermutet, dass der Gewaltausbruch mit dem Fußballer-Bus zu tun hatte und die Täter davon ausgingen, auf Fußballfans zu treffen. Diese Vermutung stützt sich auch darauf, dass eines der Opfer ein Mainzer Trikot trug.

Nadir Arif befürchtet nicht, dass sich nun Gewaltszenen, wie sie aus dem Fußball bekannt sind, zukünftig auch im Umfeld von Handballern abspielen: „Gewalt gibt’s bei uns niemals, selbst beim Derby nicht.“

"Immer öfter werden Unbeteiligte zu Opfern"

Auf seiner Homepage distanziert sich der Verein Tigers Waiblingen von jeglicher Gewalt und bedauert zutiefst, was passiert ist: „Leider erleben wir in unserer Gesellschaft gerade eine Entwicklung, in der Gewalt, eine immer größere Rolle spielt. Immer öfter werden Unbeteiligte zu Opfern. Oder es ist die falsche Trikotfarbe oder die Busbeschriftung …“


Zeugen gesucht

Die Kripo Waiblingen bittet dringend um Zeugenhinweise und stellt diese Fragen:

Wer hat den Angriff beobachtet und sich bislang noch nicht bei der Polizei namentlich gemeldet?

Wer hat nach der Tat Fahrzeuge gesehen, die aus Richtung Mayenner Straße in Waiblingen mit hoher Geschwindigkeit wegfuhren?

Wer kann sonst Hinweise zu den Tätern geben?

Zeugenhinweise erbittet die Kriminalpolizei Waiblingen unter der Telefonnummer 0 71 51/950-0.

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