Großbrand in Waiblingen Ankläger: Brandstifter soll in Psychiatrie – Stuttgarter Zeitung

Von Harald Beck 

Im Fall des Großbrands am Waiblinger Bürgerzentrum sind die Plädoyers gehalten worden. Die Staatsanwältin fordert Haft und eine Unterbringung.

Die Staatsanwältin hält für die Brandstiftung am Bürgerzentrum eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren samt Unterbringung in der Psychiatrie für angemessen. Foto: Gottfried Stoppel11 Bilder
Die Staatsanwältin hält für die Brandstiftung am Bürgerzentrum eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren samt Unterbringung in der Psychiatrie für angemessen. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Im Prozess um die Brandstiftung, die Ende März dieses Jahres zum Großbrand am Waiblinger Bürgerzentrum geführt hat, sind nun vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart die Plädoyers gehalten worden. Die Staatsanwältin fordert für den 22-jährigen Mann mit geistiger Behinderung eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten und die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik samt langfristiger Therapie.

Gericht: Keine wissentliche Gefährdung von Menschen

Am vorletzten Prozesstag hatte der Richter Reiner Gless den rechtlichen Hinweis gegeben, die Kammer gehe nicht von einer schweren Brandstiftung aus. Der Einordnung, dass die für einen schweren Fall notwendige wissentliche Gefährdung von Menschen in diesem Fall nicht anzunehmen sei, hat sich dann auch die Staatsanwältin angeschlossen. Schließlich sei zu dem Zeitpunkt, als der Angeklagte laut eigenem Geständnis den Papiercontainer im Anlieferungsbereich des Bürgerzentrums in Brand setzte, das dortige Restaurant bereits geschlossen und auch kein anderweitiger Veranstaltungsbetrieb gewesen. Die Hausmeisterwohnung liege weit entfernt von der Brandstätte am entgegengesetzten Ende des mehrteiligen Baus. Auch hier müsse nicht von einer wissentlichen Gefährdung ausgegangen werden.

Der 22-Jährige selbst hatte angegeben, dass er niemals mit dem tatsächlichen Ausmaß des Brandes gerechnet hätte. Allerdings hat er zugegeben, dass er den Container unter starker Alkoholeinwirkung und nach größeren Frusterlebnissen tagsüber in Brand gesetzt hat. Der Behälter stand an der Wand des Bürgerzentrums unter einem zehn Meter hohen Vordach. Er habe, so der Angeklagte, den Deckel des Containers hochgehoben, einen Karton herausgezogen und diesen angezündet. Den brennenden Karton habe er wieder hineingeworfen. Mit Verzögerung hatte sich das Feuer im Container zum Komplettbrand entwickelt, der über das Vordach auf ganze Gebäudeteile übergriff. Letztlich entstand bei dem Großbrand ein Schaden von rund zwei Millionen Euro an Gebäude und Inventar. Die Löscharbeiten dauerten bis zum nächsten Nachmittag, Teile des Bürgerzentrum sind bis heute noch nicht nutzbar.

Angesichts des Geständnisses und der Beweislage durch Videoaufnahmen und Fingerabdrücke sei die Sachlage bezüglich der mehrfachen Sachbeschädigung und der Brandstiftung klar, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Weniger schwer ins Gewicht fielen dabei die Beschädigungen, die der 22-Jährige an Notlichtern und Räumfahrzeugen in der Tiefgarage unter dem Bürgerzentrum angerichtet hat. Das Hauptaugenmerk bei der Strafzumessung müsse dem hohen Schaden und den gravierenden Auswirkungen auf den Betrieb im Bürgerzentrum gelten.

Steuerungsfähigkeit durch Behinderung und Alkohol stark eingeschränkt

Zugunsten des Angeklagten seien dessen Geständnis und die von ihm bekundete Reue zu werten. Klar sei entsprechend der Beurteilung des Gutachters, dass der Man mit „Lernbehinderung an der Grenze zur geistigen Behinderung“ zwar schuldfähig, aber eben durch Auswirkungen der Behinderung wie mangelnde Frusttoleranz und durch Alkohol nur eingeschränkt steuerungsfähig gewesen sei. Es habe sich um eine spontane und keine geplante Tat gehandelt. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass der 22-Jährige einschlägig vorbestraft sei und der Gutachter von einer hohen Wiederholungsgefahr ausgehen. Sie halte eine Gesamtstrafe von drei Jahren und sechs Monaten für angemessen, sagte die Staatsanwältin – verbunden mit einer Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung zur Behandlung.

Die Verteidigerin gab zu Protokoll, dass sich dieser Fall aus ihrer Sicht nicht für ein klassisches Plädoyer eigne. Sie gehe konform damit, dass die Tat nicht als schwere Brandstiftung gewertet werde. Im übrigen stelle sie keine Anträge zum Strafmaß. Ihr Wunsch: „Ich hoffe, dass meinem Mandanten geholfen wird.“ Das Urteil wird am kommenden Mittwoch gesprochen.

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