Büze-Brandstifter soll in Psychiatrie – Zeitungsverlag Waiblingen

Als Richter Rainer Gless am Donnerstagmorgen in Saal neun des Landgerichts die Beweisaufnahme geschlossen hat und Staatsanwältin und Verteidigerin ihre Plädoyers gehalten haben, erteilt der Vorsitzende dem Angeklagten das letzte Wort. „Oder ist alles gesagt?“, stellt Gless dem jungen Mann frei, sich zu äußern. „Es ist alles gesagt“, antwortet der 22-Jährige leise. Fast alles: Das Urteil steht noch aus. Es soll am kommenden Mittwoch gefällt werden.

Der Angeklagte soll in ein psychiatrisches Krankenhaus

Die Staatsanwältin plädiert für eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Diese Zeit soll der geistig behinderte junge Mann nicht im Gefängnis, sondern in einem psychiatrischen Krankenhaus verbringen. Die Staatsanwaltschaft folgt damit der Einschätzung eines Gutachters, der eine drei- bis vierjährige stationäre Behandlung empfiehlt. Die Verteidigerin stellte in ihrem Plädoyer keinen Antrag.

Vorsätzliche, keine schwere Brandstiftung

Der vorletzte Verhandlungstag hatte mit einem rechtlichen Hinweis des Richters begonnen: Vermutlich habe sich der Angeklagte der vorsätzlichen Brandstiftung schuldig gemacht – der Vorwurf der schweren Brandstiftung lasse sich aus Sicht der Kammer aber nicht aufrechterhalten. Eine Brandstiftung wird unter anderem als „schwer“ eingestuft, wenn der Brandstifter davon ausgehen muss, dass sich zum Tatzeitpunkt Menschen im Gebäude befinden. Das konnte dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden. Zum einen habe er den Müllcontainer, von dem das Feuer aufs Büze übergriff, spätabends angezündet, als die Veranstaltungen im Gebäude bereits beendet waren. Zum anderen habe der junge Mann glaubhaft versichert, von der Wohnung des Hausmeisters auf der gegenüberliegenden Seite nicht gewusst zu haben.

Verminderte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten

Dieser Einschätzung folgte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Das Gesetz sieht für „schwere Brandstiftung“ eine Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr und 15 Jahren vor. Für „vorsätzliche Brandstiftung“ werden maximal zehn Jahre verhängt. Durch die verminderte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten – bedingt durch die geistige Behinderung und starke Alkoholisierung – kam die Staatsanwältin auf einen Strafrahmen von drei bis siebeneinhalb Jahren. Darin eingeschlossen sind auch die Sachbeschädigungen am Container und in der Büze-Tiefgarage, die ihm vorgeworfen werden.

Geständnis wirkt sich positiv aus

Positiv wirkte sich für den Beschuldigten sein Geständnis aus und dass er Einsicht und Reue gezeigt habe, erläuterte die Staatsanwältin. Auch habe er die Tat spontan begangen und nicht von langer Hand geplant. Dem entgegen stehen freilich der erhebliche Schaden (rund zwei Millionen Euro) und der große Aufwand für die Stadt Waiblingen nach dem Brand – vor allem aber, dass der junge Mann einschlägig vorbestraft ist.

Mit 16 am Bodensee ein Boot angezündet

Zur Erinnerung: Mit 16 hatte er am Bodensee ein Boot angezündet. Schon damals wollte er es nur auf eine Plastikplane abgesehen haben – von dieser hatte das Feuer auf das Boot übergegriffen. Das ist eine Parallele zum jetzigen Fall, in dem sich der Brand vom Container über die Außenwand und das Dach des Bürgerzentrums ausbreitete.

Staatsanwältin: Angeklagter hat "Nähe zum Feuer" 

Die Staatsanwältin kam zu dem Schluss, dass der 22-Jährige eine „Nähe zum Feuer“ habe, „für die Allgemeinheit gefährlich“ sei und weiterhin „gefährdet, Straftaten zu begehen“. Sie plädierte dafür, ihn für dreieinhalb Jahre in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Dort könne er auch lernen, sich „in Kränkungssituationen zu behaupten“. Der Angeklagte hatte Angaben eines Freundes zufolge über Mobbing wegen seiner Lernschwäche geklagt.

Er hätte es besser wissen müssen

Die Verteidigerin des jungen Mannes verwies in ihrem abschließenden Plädoyer auf den schweren Lebensweg und die geistige Behinderung des jungen Mannes und betonte: „Meinem Mandanten war das Ausmaß des Zündelns zu keinem Zeitpunkt klar.“

Er sei geschockt gewesen, als er von dem großen Schaden erfahren habe, den er angerichtet hatte. Sie räumte allerdings ein: Nach der Vorgeschichte am Bodensee hätte ihr Mandant es besser wissen müssen. Was er getan habe, tue ihm leid.

„Er hätte sich am liebsten in den Boden verkrochen – so wie er jetzt auch dasitzt“, sagte die Verteidigerin mit einem Seitenblick auf den jungen Mann, der den Blick die ganze Verhandlung über gesenkt hielt. Mehrfach habe sich der 22-Jährige entschuldigt. Einen Antrag stellte die Verteidigerin nicht, sagte aber: „Ich hoffe, dass meinem Mandanten geholfen wird.“

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